Sagen um Baierbrunn - S'Birgweiberl

Vielen wohl ist ja bekannt, 
Daß in alten Zeiten stand
In der Näh von Baierbrunn
Eine Birg von schlechtem Ruhm.

Ritter Sachsenhauser nahm, 
Was herab die Isar kam.
Mancher reichbeladne Floß
War nur Beute für das Schloss.

Und Vergeltung zog heran.
Zu belagern man begann
Die verhasste Birg, doch schwer
Wurde man des Raubnest's her.

Bis ein altes Weiblein kam,
Das zum Sunnwendfeuer nahm
Mühsam sich das Holz im Wald,
Was als gutes Zeichen galt.

Den Belagerern sie riet:
"Nehmt ein schönes Ross euch mit,
Gebt drei Tag' kein Wasser ihm, 
Dass es eilt zur Quelle hin,

Welche unterm Boden rinnt,
Dass kein anderer sie find't.
Hat das Pferd die Quelle dann, 
Fangt sie abzugraben an!"

Willig war befolgt der Rat.
Man entdeckt die Quelle hat.
Als die Birg war wasserarm,
Fiel sie auch in Feindesarm.

Seit der Zeit doch ist verbannt
Jenes Weiblein, das genannt,
Wo versteckt die Quelle lag,
So der Birg den Tod'stoß gab.

In dem Birgrevier d'rum oft
Steht ein Weiblein unverhofft,
Quält den Wand'rer mit der Frag',
Dassß er ihr doch sagen mag:

Wo nach Baierbrunn der Weg
Und nach Schäftlarn führt der Steg?
Niemals kommt es doch dorthin,
Bleibt verbannt so als Verräterin.